Das Genie des Michael Bay

Nach fünf Transformers Filmen habe ich nach „The Last Knight“ nun endlich verstanden, was Michael Bay mit seinen Filmen eigentlich bezweckt. In meiner naiven Art dachte ich, dass es sich bei den Transformers Filmen einfach um seichte Action-Kost handelt, um typische Sommer-Blockbuster, aber ich wurde eines Besseren belehrt. Schon immer haben Erzähler versucht die illusorische Natur der Handlung zu durchbrechen, verschiedene Ebenen einzubauen, den Zuschauer wieder und wieder auf ein anderes Level der Wahrnehmung zu heben. Aber noch niemand hat es dabei so weit gebracht wie Michael Bay.

Das geniale an Bays Werk ist dabei, dass es auf den ersten Blick wirklich wie diese banalste aller möglichen Kunstformen wirkt, der Action Blockbuster. In der Hauptrolle ein Mann, der mit der gleichen Unsicherheit und Unzulänglichkeit kämpft wie wir alle, aber es dann doch schafft seine Welt zu meistern, die Probleme zu überwinden. Meist indem er dabei die halbe Welt in die Luft sprengt und diverse heiße Frauen flachlegt, aber das nur nebenbei. Und Bay gaukelt uns vor, dass es auch bei ihm darum geht, denn mit Shia LeBoef und Marky Mark Wahlberg hat er doch zwei wahre Meister männlicher Unzulänglichkeiten als Hauptdarsteller verpflichtet. Speziell LeBeof, der mit seiner Darstellung von Sam Witwicky jeden noch so beklagenswerten Loser der realen Welt wie einen griechischen Sagenhelden wirken lässt, aber trotzdem heiße Tussen abkriegt und regelmäßig die Welt rettet.

Aber wo andere Blockbuster nur die Message vermitteln wollen, dass wir Männer doch die Herren unserer Welt sein können, geht Bay einfach weiter und vermittelt uns gleichzeitig, dass die Welt nicht gemeistert werden kann, da alles nur Illusion ist, nichts wirklich Sinn ergibt, und nicht einmal Raum und Zeit von Dauer sind. Wir gehen durch eine Tür in Washington und sind in der Wüste. Die Sonne geht alle zwei Stunden unter, überall auf der Welt gleichzeitig. Gewaltige Alienplaneten dringen in unsere Atmosphäre ein ohne auch nur ein laues Lüftchen zu erzeugen und gewaltige Roboter kämpfen gegen die Nazis, ohne dass sich irgendjemand daran erinnern kann, nicht einmal die Roboter selbst.

Die Transformers Filme sind so lang, dass sie Raum und Zeit verzerren, drei Stunden wirken wie neun, sitzt man erst seit heute im Kino oder schon sein ganzes Leben? Wäre es klüger gewesen Erwachsenen-Windeln anzuziehen? Könnten auch wir Megan Fox rumkriegen? Ist Mark Wahlberg unser Vater? Dürfen wir ohne Reue mit Minderjährigen Sex haben und trotzdem einen transformierenden Sportwagen als Hetero-Lebensgefährten anführen? Macht irgendwas davon Sinn, wenn um uns herum die Welt explodiert und wir herumgeschleudert werden ohne Schaden zu nehmen, egal wie tief wir in die gewaltigen Abgründe der Story-Löcher hineinfallen?

In mehr als einer Hinsicht sind Bays Transformersfilme Kunstwerke, auch weil sie vielleicht als erste Filme einen vollendeten Eindruck davon vermitteln, wie es sich anfühlt mitten in einer Schlacht zu sein. Um einen herum besteht die gesamte Welt nur aus einem Wirbel von Metall, Feuer und Trümmern. Nach gefühlten 12 Stunden Transformers Film versteht man wieso ein Soldat auch mal die eigenen Leute umballert, ohne es überhaupt zu merken, denn Freunde wie Feinde sind nicht zu unterscheiden, weder in Aussehen noch Verhalten, und es wird nur unverständliches Zeug gebrüllt, oben ist unten, Schwerkraft und Zeit setzen aus.

Wer immer diese Meisterstücke cineastischer Schaffenskraft betrachtet, wird fühlen wie alle Grenzen um einen herum sich auflösen und für immer verschwinden. Die Erfahrung endet nicht mit dem Verlassen des Kinosaals oder des Ausschaltens des DVD Players, nein. Wir leben für immer in einer Welt in der alles im Fluß ist, nichts Sinn ergibt, Wirkung vor Ursache liegt und wir vollkommen frei sind. Erleichtert euch mit vollem Genuß in eure Erwachsenen-Windeln, Michael Bay lädt euch ein. Denn in jenem Akt ultimativen Abschieds von Logik, Realität, Zeit und Raum werdet ihr mit barbarischer Freude feststellen, dass ihr jetzt alles sein könnt. Denn ihr seid der Allspark, der Würfel, die Matrix. Ihr, wir alle, sind Transformer.

Philister

Kind der 80er, Fan von allem wo man in den 80ern halt Fan von sein konnte (außer Modern Talking und Punk-Frisuren) und auch heute noch Kind, so irgendwie, wenn auch offiziell schon richtig erwachsen. Aber hauptsächlich eben Kind.